Verstehen Sie manchmal auch nur noch Bahnhof?

Die ganze Runde nickte einvernehmlich – und der Vorgesetzte redete und redete und redete. Nur eins entging ihm im Eifer des Gefechts: Seine Mitarbeiter hatten längst den Anschluss verloren. Sie saßen um ihn herum, guckten interessiert, nickten höflich – und schwiegen. Erst nach dem Meeting tauschten sich Einzelne untereinander aus. Erst dann trauten sie sich – unter vier Augen –, zuzugeben, dass sie nichts verstanden hatten. Schade. Und leider typisch. Schuld waren ein paar Fachbegriffe und -worte aus dem Englischen. Ob der Chef sie absichtlich einstreute, um seine Kompetenz zu beweisen oder weil sie für ihn einfach selbstverständlich waren, mag dahin gestellt bleiben. Jedenfalls wollte sich keiner seiner Leute die Blöße geben und nachfragen.

Eine Blöße? Mitnichten. Wer fragt, der führt! Weil es unhöflich ist, einen anderen reden zu lassen, obwohl man gar nicht weiß, worum es geht. Aus Respekt vor mir und dem anderen, sollte man sich in so einem Fall immer ein Herz fassen und nachfragen.

Im Berufsleben ist so ein Aus-Schweigen unverzeihlich. Beginnt nach einer Konferenz das große Tuscheln wie „Hast Du verstanden, was der Chef meinte?“ „Weiß Du, was wir nun anders machen sollen?“, gibt es nur eine Erklärung: Hier stimmen die Kommunikationsformen nicht. Die Angst vor der Blamage mag zwar groß sein, aber die Situation lässt sich umschiffen. Etwa durch ein „Entschuldigung, können Sie das bitte noch einmal genau erklären, ich kann das gerade nicht nachvollziehen.“ Mit diesem Satz muss der Fragende nicht riskieren, für dumm gehalten zu werden. Im Gegenteil. Fragen stellen in der Regel Menschen, die große Fachkompetenz besitzen. Unterbleiben konkrete Fragen und entstehen dadurch teure Pannen, wird es für ein Unternehmen erst schlimm.

Auch deshalb gehört es zu einer guten Führungskraft, dass sie Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt. So viel, dass sie Fragen – vielleicht auch dusselige – als Engagement respektiert. Auch wenn sie manchmal die Faust in der Tasche machen muss. Sie müssen ehrlich nachfragen: „Ist es mir gelungen, alles deutlich zu machen?“, „Gibt es noch Fragen in puncto Umsetzen?“ Oder: “Wenn Fragen auftauchen, melden Sie sich bitte. Ich bin so intensiv im Thema, dass ich vielleicht zu schnell über wichtige Details hinweggehe“. Tabu ist: „Habe ich das nicht gerade erklärt?“ Oder: „Ich wäre Ihnen dankbar, Sie würden mir zuhören“.

Angemessene Kommunikation muss für jeden verständlich sein. Biologen, Ärzte, IT-Spezialisten – sie alle müssen ihnen vertraute Zusammenhänge herunterbrechen können und für jedermann verständlich erklären. Professionalität und Höflichkeit gehören zusammen.