Karneval, Fastnacht, Fasnacht, Fasnet, Fasching, Fastelovend, Fasteleer oder fünfte Jahreszeit im Geschäftsleben

Die Karnevalszeit lässt Emotionen frei – positiv oder negativ, je nach Temperament und „Sozialisierung“. Die Gefühle und Reaktionen auf diese fünfte Jahreszeit sind auch bei den Aktiven regional unterschiedlich und lassen sich kaum verbinden. Indifferent reagieren wenige auf Karneval.

Karneval wird gefeiert – und das ist auch gut so!.

Im Freundeskreis und auf Veranstaltungen ist eine ausgelassene Dynamik salonfähig. Bei Veranstaltungen mit Kollegen und Vorgesetzten ist der berufliche Aspekt unterschwellig immer vorhanden. Karnevalsjecke und Narren haben auch auf beruflichen Feiern das Recht auf Ausgelassenheit und Fröhlichkeit, beim Alkohol und dem obligatorischen „Bützchen“(Küsschen) sollte etwas Achtsamkeit gelten, das heißt: die richtige Mischung einhalten zwischen der Einstimmung auf Karnevals-Usancen und der natürlichen Distanz zu Leuten, die man nicht näher kennt – .Jeder wird sich richtig verhalten, wenn dieser Aspekt berücksichtigt wird.

Kommt der Kunde/Geschäftspartner ins Blickfeld wird es noch einmal sensibler. Punkt 1: Niemals – und ich meine niemals ! – einen Kunden/Geschäftspartner, der in einer karnevalsfernen Region lebt, oder – noch wichtiger – aufgewachsen ist, zu einer echten Karnevalssitzung einladen. Jeder weiß, wie peinlich es ist, einen Witz erklären zu müssen; bei einer Sitzung wird diese Peinlichkeit zum Standard und alle Beteiligten warten nur auf das Ende der Veranstaltung … und das bei einer Sitzung, die 5-6 Stunden dauern kann. Ich erinnere mich an eine geschäftliche Einladung zu einem Mundart Theater in Hamburg. Die Gäste aus der Region hatten größten Spaß, da die Lokalpolitik bekannt und die Sprache verständlich war. Beides traf auf mich nicht zu, und ich erinnere mich noch genau, wie ich, um den Gastgebern ein gutes Gefühlt zu geben, versuchte, an den richtigen Stellen zu lachen… es war sehr anstrengend und ermüdend!

Liebe Jecken, Närrinnen und Narren: kumm loss mer fiere,net lamentiere und auch nach Karneval mit Kollegen, Kolleginnen, Kunden und Partnern eine angenehme, geschäftlichen Beziehung haben.

Verständlicherweise ist das Thema Karneval befremdlich, für alle, die nicht mit diesem Brauch aufgewachsen sind. Es gibt unterschiedliche Positionen: Wissensdurstige und Brauchtumskultur-offene Menschen werden mit einem positiven Bauchgefühl an die „unbekannte“ Tradition herangehen und vielleicht Gefallen finden, wie im Falle meiner Freundin, die wegen des Studiums von Staade nach Bonn gekommen ist. Sie ist zum Karnevalsjeck mutiert. Andere Charaktere lehnen diese närrische Zeit total ab, und dazu zählen nicht nur Zugezogene oder Gäste, sondern auch viele Rheinländer. Beides ist völlig nachvollziehbar und sollte akzeptiert werden. Schwierigkeiten entstehen ja häufig, wenn Menschen ihr eigenes Empfinden als „normal“ und für allgemeingültig erklären. Karnevalsverweigerer sollten diese Zeit zu einem Kurzurlaub nutzen und die rheinischen Hochburgen den Karnevalisten und Karnevalistinnen überlassen.

In diesen Gegenden wird der Karneval gelebt, und für einige Tage ist Fröhlichkeit angesagt. Vorgesetzte, die dieses lokale Brauchtum unterbinden, also Weiberfastnacht und Rosenmontag-Dienstag als normale Arbeitstage ansetzen werden nicht nur als Spaßbremse abgespeichert, sondern verletzen die Seelen der Karnevalsnarren. Die Bedeutung des rheinischen Karnevals mit all seinen lokalen Varianten wird deutlich durch die, im Dezember 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen

Es gibt Unterschiede in der Ausprägung der Feierkultur. Zwischen Köln und Düsseldorf gibt es nicht nur spaßige Animositäten, sondern auch unterschiedliche Feierkulturen. Meine Tochter erlebte beim karnevalistischen Feiern in Kölner und Düsseldorfer Unternehmen sehr große intrakulturelle Unterschiede in der Ausprägung. Hauptsache alle haben Spaß an der Freud.

Musik im Großraumbüro und flexible Arbeitszeiten müssen möglich sein. Dass einige Berufsgruppen, wie Notdienste, Sorgentelefone etc. ausgenommen sind ist selbsterklärend.